Tag 3. Du öffnest den Ads Manager, 40 Euro sind weg, und in der Spalte „Käufe“ steht eine Null. Jetzt kommen zwei schlechte Impulse: die Ad sofort abschalten oder schnell noch ein bisschen am Budget und an der Zielgruppe drehen. Beides kostet dich oft mehr Geld als es spart. Die gute Nachricht: Auch ohne Käufe kannst du nach drei Tagen schon einiges erkennen. Du musst nur die richtigen Zahlen anschauen und wissen, was du damit machst.
Warum Käufe nach 3 Tagen wenig aussagen
Meta nennt als Orientierung etwa 50 Optimierungsereignisse pro Anzeigengruppe innerhalb von sieben Tagen, damit die Auslieferung stabil wird. Optimierst du auf Käufe, wären das rund 50 Käufe pro Woche. Das ist ein Richtwert und keine harte Grenze, aber für einen kleinen Schmuckshop ist er mit wenig Budget kaum zu erreichen. Bis dahin schwanken die Ergebnisse stärker.
Dazu kommt die Messung: Standardmäßig rechnet Meta einen Kauf einer Ad zu, wenn er bis zu sieben Tage nach dem Klick passiert. Schmuck ist oft ein Kauf, über den man erst einmal nachdenkt oder den man mit jemandem bespricht. Ein Kauf, der am Tag 5 kommt, taucht an Tag 3 also noch gar nicht auf. Prüf in deinem Konto, welches Attributionsfenster eingestellt ist.
Statt auf Käufe zu starren, schaust du nach drei Tagen auf frühe Signale: Bleiben Leute hängen? Klicken sie? Landen sie im Shop?
Die vier Kennzahlen für Tag 3
1. Hook Rate: Hält die Ad vom Wegwischen ab?
Die Hook Rate zeigt, bei wie vielen Einblendungen jemand mindestens 3 Sekunden zugeschaut hat. Die Formel: 3-Sekunden-Wiedergaben geteilt durch Impressionen, mal 100. Meta liefert beide Zahlen, die Quote musst du dir als eigene Spalte im Ads Manager anlegen. Ein Beispiel für die Rechnung: 10.000 Impressionen und 2.800 Wiedergaben von 3 Sekunden ergeben 28 Prozent.
2. Hold Rate: Bleiben die Zuschauer dran?
Die Hold Rate zeigt, wie viele von denen, die die ersten 3 Sekunden gesehen haben, bis zum Ende schauen. Üblich ist: ThruPlays geteilt durch 3-Sekunden-Wiedergaben, mal 100. Meta zählt einen ThruPlay, wenn jemand mindestens 15 Sekunden sieht oder ein kürzeres Video bis zum Ende. Bei 1.000 Wiedergaben von 3 Sekunden und 250 ThruPlays liegt die Hold Rate bei 25 Prozent. Wichtig: Vergleiche nur Videos mit ähnlicher Länge, denn ein ThruPlay ist bei einem 10-Sekunden-Video schwerer zu holen als ein halber Weg bei einem 30-Sekunden-Video.
3. Linkklickrate: Wird aus Interesse ein Klick?
Hier lauert eine Falle. „Klicks (alle)“ zählen auch Likes, Kommentare, Profilbesuche und das Aufklappen von Medien. Für dich zählen nur Linkklicks, also Klicks, die in deinen Shop führen. Die Linkklickrate ist Linkklicks geteilt durch Impressionen.
4. Kosten pro Linkklick: Was kostet ein Besucher?
Teile deine Ausgaben durch die Linkklicks. Diese Zahl hängt vom CPM ab, also dem Preis für 1.000 Einblendungen, und von deiner Klickrate. Ist ein Besucher sehr teuer, liegt es entweder an einer schwachen Ad (wenige Klicks) oder an einer teuren Auslieferung. Das erkennst du, wenn du die ersten drei Zahlen danebenlegst.
Orientierungswerte: ehrlich eingeordnet
Eine allgemeingültige „gute“ Zahl gibt es nicht. Die veröffentlichten Werte stammen meist von Agenturen und Tool-Anbietern und hängen von Branche, Platzierung und Zielgruppe ab. Als grobe Orientierung:
- Hook Rate: Eine Auswertung von 479 Meta-Video-Ads aus 2026 nennt einen Median von 20,9 Prozent. Andere Quellen nennen als Arbeitsbereich etwa 20 bis 25 Prozent.
- Hold Rate (ThruPlays durch 3-Sekunden-Wiedergaben): Die Angaben schwanken stark. Manche Quellen nennen 20 bis 25 Prozent für kalte Zielgruppen, andere 40 bis 50 Prozent. Der Grund sind unterschiedliche Definitionen.
- Klickrate bei Social Ads: Shopify nennt als Spanne 0,5 bis 2 Prozent, je nach Kanal.
Dein wichtigster Maßstab bist du selbst. Wenn du mehrere Ads parallel laufen lässt, vergleiche sie untereinander und bleib bei einer Formel. Die Werte gelten außerdem für Meta. TikTok zählt andere Zeitfenster (zum Beispiel 2-Sekunden-Views), die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar.
Die 3-Tage-Entscheidung: Was sagt dir welches Muster?
- Hook Rate niedrig: Die ersten Sekunden stoppen niemanden. Tausche den Anfang aus, zum Beispiel mit einem anderen Einstieg. Ideen findest du in 12 Hooks für Schmuck-Ads, die nicht nach Werbung klingen.
- Hook Rate okay, Hold Rate niedrig: Der Anfang funktioniert, die Mitte nicht. Kürze langsame Stellen und zeig das Schmuckstück früher, etwa spätestens ab Sekunde 5.
- Beide okay, wenig Linkklicks: Die Leute schauen gern, aber es fehlt der Anlass zu klicken. Prüf Text, Call-to-Action und ob der Link eindeutig ist. Prüf auch, dass du wirklich Linkklicks ansiehst und nicht „Klicks (alle)“.
- Viele Linkklicks, aber niemand legt etwas in den Warenkorb: Die Ad macht ihren Job, das Problem liegt eher im Shop. Schau auf Produktseite, Preisanzeige, Versandkosten und Ladezeit auf dem Handy.
- Alles solide: Nichts ändern, einfach weiterlaufen lassen.
Was du nach 3 Tagen lieber nicht tust
Jede größere Änderung kann die Lernphase zurücksetzen. Dazu zählen Änderungen an Budget, Zielgruppe oder Gebot, aber auch eine neue Anzeige in der Anzeigengruppe oder das Entfernen einer bestehenden. Danach schwankt die Auslieferung wieder ein paar Tage. Wenn du das Budget erhöhen willst, tu es schrittweise: Als Faustregel werden etwa 20 Prozent genannt, größere Sprünge starten das Lernen oft neu.
Wenn du eine Ad austauschen willst, weil die Zahlen klar schwach sind, ist das in Ordnung. Ändere dann aber nur eine Sache auf einmal, zum Beispiel den Anfang des Videos. Sonst weißt du später nicht, was gewirkt hat.
Hast du sehr wenig Budget und bleibst dauerhaft unter dem Richtwert von 50 Ereignissen, helfen zwei Dinge: weniger Anzeigengruppen und eine breitere Zielgruppe. Alternativ kannst du vorübergehend auf „In den Warenkorb“ statt auf Käufe optimieren, weil dieses Ereignis häufiger vorkommt. Das ist eine Zwischenlösung, denn du optimierst dann auf ein Signal, das nicht dein eigentliches Ziel ist.
Deine Checkliste für Tag 3
- Zeitraum auf die letzten 3 Tage setzen und pro Ad einzeln ansehen.
- Impressionen, 3-Sekunden-Wiedergaben, ThruPlays und Linkklicks in die Spalten holen.
- Hook Rate, Hold Rate und Linkklickrate ausrechnen oder als eigene Spalte speichern.
- Kosten pro Linkklick notieren.
- Schauen, welcher Schritt am schwächsten ist: Anfang, Mitte, Klick oder Shop.
- Genau eine Sache ändern oder bewusst nichts ändern. Das Datum notieren.
- Nach 7 Tagen erneut ansehen, dann auch Warenkorb und Käufe.
Ab Tag 7 rechnest du auch mit dem Ergebnis. Dafür brauchst du deine Gewinnschwelle. Ein einfaches Rechenbeispiel: Bleibt dir nach Einkauf, Versand und Gebühren die Hälfte des Verkaufspreises, musst du pro ausgegebenem Euro mindestens zwei Euro Umsatz erzielen, um nicht draufzuzahlen. Deine eigene Marge ist wichtiger als jeder Branchenwert.
Gerade jetzt vor Weihnachten lohnt sich dieser Rhythmus, weil du früh weißt, welche Ad du in die Hochphase mitnimmst. Wie du die nächsten Wochen planst, steht im Ad-Fahrplan fürs Weihnachtsgeschäft.
Noch ein ehrlicher Hinweis zu Klickreif: Wir machen aus deinen Produktfotos Video-Ads für Instagram, TikTok und Facebook. Wenn du wissen willst, wie das bei deinem Schmuck aussehen würde, kannst du bei uns eine kostenlose Probe-Ad anfragen: klickreif.com/#anfrage.